Über die genitale Fixierung

   

 

Badekleidung, oder was ein Stückchen Stoff alles verändert...

 

Die Diskussion um den Unterschied zwischen dem Tragen von Badekleidung, und dem Naturismus wird niemals enden, ebensowenig wie die Diskussion, ob an einem Nacktbadestrand Badekleidung toleriert werden soll.

 

Wir meinen, dass unabhängig davon, dass eine nasse Badekleidung am Körper der Gesundheit nicht zuträglich ist, das Thema von der falschen Seite angegangen wird.

 

 

Wärmeschutz

 

Tiere haben ein Fell, aber der Mensch besitzt keinen Wärmeschutz. Also muss er sich je nach Temperatur mit einem passenden Gewand versehen. Zum Baden benötigt man keinen solchen Wärmeschutz, außer man befindet sich über längere Zeit in kaltem Gewässer, wie z.B. Taucher oder Windsurfer, welche isolierende Neopren-Anzüge tragen.

 

 

Fokussierung statt Verdeckung

 

Es gibt offenbar einzelne Körperteile, die von unserer Gesellschaft als intimer angesehen werden als andere. Diese Erscheinung findet sich auch im englischen Sprachraum, wo man von den "private parts" spricht. Es geht also darum, gewisse Körperteile vom übrigen Körper "abzutrennen", um nur sie vor den Blicken Anderer zu verbergen. Mit der immer geringfügiger werdenden Bademode schlägt der Effekt des Verbergens in sein Gegenteil um: Statt die Körperteile zu verbergen, wird der Blick genau auf jene Teile fokussiert.

 

Nach unserer Ansicht widerspricht diese Fokussierung dem ganzheitlichen Bild des Menschen. Es ist ein Spiel mit einem Tabu, das in diesem Bereich überhaupt nicht existieren sollte. Gerade das Argument der "Schamhaftigkeit"1 kann bei einer solchen Blick-Fokussierung nicht mehr ins Feld geführt werden.

 

Fazit aus diesen Erörterungen: Das Zwang, oder auch der Wunsch zum Tragen von Badekleidern entspringt einer unglücklichen Zweiteilung des menschlichen Körpers, in einen tabubehafteten Teil und in den übrigen Teil. Wir wollen uns dafür einsetzen, dass der Mensch dank seiner ganzheitlichen Betrachtungsweise keine Badekleidung mehr braucht.

 

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1 Anmerkung zur Schamhaftigkeit

Der Begriff "Schamhaftigkeit" wird häufig im Zusammenhang mit der tabuisierten Genitalzone benutzt. Wir sind der Überzeugung, dass hier ein über die Erziehung vermittelter gesellschaftlicher Konsens eine fatale Wirkung hat: die Sichtbarmachung eines Körperteils wird einem realen Grund für Scham gleichgestellt. Ein realer Grund zum Schamgefühl wäre z.B. eine Tat zum Nachteil eines Mitmenschen, etwa die Ausübung von tätlicher oder verbaler Gewalt.